Für die gestrige Gemeinderatssitzung stand nur ein Thema auf der Tagesordnung: wie geht es weiter mit dem geplanten Neubau? Verschiedene Varianten standen zur Diskussion. Und dabei hat sich bereits im Vorfeld heraus kristallisiert, dass am ehesten der Weiterbau vernünftig sein wird, auch wenn das auf den ersten Blick hin widersinnig scheint.
Aber die Kleinostheimer Schüler brauchen eine neue Schule, auch wenn die Hauptschule tatsächlich wegen zu geringer Schülerzahlen geschlossen werden sollte. Und die Um- oder Neuplanung und der Bau eines anderen Schulgebäudes würde – kaum zu glauben, aber nach den derzeit vorliegenden Zahlen und Daten nachweislich der Fall – mehr kosten, als die Fortführung des bereits begonnenen Gebäudes. Ganz abgesehen davon, dass dann natürlich die geplante Bauzeit bei weitem nicht zu realisieren wäre.
Der Grund hierfür liegt unter anderem an folgenden Punkten: Fast 1Million Euro sind bereits ausgegeben, auch wenn dies auf der Baustelle so nicht zu erkennen ist. Hinzu kommen Regressansprüche der Firmen, die bereits Aufträge erhalten haben und diese bei einem Baustopp und einer Um- oder Neuplanung nicht durchführen könnten. Nach den Erfahrungen der Planer liegen diese Schadensersatzforderungen bei etwa 30 % der Auftragssumme. Diese müssen aber für jeden einzelnen Auftrag gesondert ausgehandelt oder gegebenenfalls sogar vor Gericht ausgestritten werden. Auch diese Verhandlungen kosten wieder Zeit und Geld.
Eine Um- oder Neuplanung bedarf außerdem neuer Genehmigungen der Schulaufsichtsbehörde, aber auch neuer Tekturanträge, Baugenehmigungen, Prüfgebühren und ähnlicher zeit- und kostenintensiver Mehraufwendungen.
Nach den zur Zeit vorliegenden Berechnungen würde die Gemeinde Kleinostheim bei einer Umplanung etwa 6 Millionen Kosten zu tragen haben, bei einem Bau einer kleineren Schule, speziell ausgerichtet nur für den Grundschulbereich, Kosten von etwa 6,7 Millionen.
Die Weiterführung des geplanten und begonnenen Schulgebäudes kostet die Gemeinde Kleinostheim voraussichtlich etwa 6,5 Millionen. Natürlich stehen dann einige Räume leer. Dafür wären die Grundschüler wären nicht mehr auf zwei Standorte verteilt, sondern in einem Schulgebäude, gemeinsam mit den Lehrern und der Verwaltung, nah an den Sportanlagen. Den Schülern könnte eine Mittagsbetreuung im Schulgebäude geboten werden, wie dies in der Art und Weise und Ausgestaltung sonst nicht möglich wäre. Außerdem hätte die Gemeinde die Möglichkeit, die dann vollumfänglich frei werdende Brentano-Schule anderweitig zu nutzen und es gibt auch schon viele gute Ideen, wie man die zur Verfügung stehenden Räume im neuen Schulgebäude sinnvoll und eventuell auch unter Einbeziehung staatlicher Fördermittel nutzen kann.
Die Entscheidung, wie es weiter gehen soll, ist für jeden Gemeinderat nicht einfach zu treffen. Denn wieder einmal muss auf die Zahlen und Berechnungen vertraut werden, die uns vorgelegt werden.
So war dies auch schon bei der Frage, ob Kleinostheim eine neue Schule braucht oder nicht. Im Rahmen der seit Jahren andauernden Diskussion über einen Neubau und die zu erwartenden Schülerzahlen haben mehrfach Prognosen der Schulleitung, des Schulamtes, aber auch der Regierung von Unterfranken vorgelegen und dienten als Basis für die Planung.
In der Vergangenheit waren diese Zahlen auch zutreffend und konnten als Berechnungsgrundlage verwendet werden. So hat die Regierung von Unterfranken am 8. Mai 2001 geschätzt, dass im Schuljahr 2005/2006 voraussichtlich 13 Grundschul- und 8 Hauptschulklassen bestehen würden. Das Schulamt Aschaffenburg hat am 10. Februar 2002 prognostiziert, es würde in dem Schuljahr 2005/2006 13 Grundschulklassen geben. Tatsächlich waren es, wie am 9. Januar 2006 von der Schulleitung bekannt gegeben, 15 Grundschul- und 9 Hauptschulklassen.
Und am 16. Juni 2006 hat die Regierung von Unterfranken mitgeteilt, dass sie in Kleinostheim von zukünftig 12 Grundschulklassen und 5 Hauptsschulklassen ausgeht. Diese Zahlen waren Gegenstand der Baugenehmigung und wurden von keiner der beteiligten Behörden angezweifelt. Schließlich stützte sich die Regierung auf bayernweite Zahlen, herausgegeben und geprüft von verschiedenen Instituten, auch dem Schulamt von Aschaffenburg.
Auch die Gemeinderäte der Freien Wähler hatten keinen Grund, diesen Zahlen und der Hochrechnung für die Zukunft nicht zu glauben.
Erst Anfang April 2008 - nur wenige Wochen nach dem Spatenstich, bei dem alle Behörden entsprechend vertreten waren! - kam dann die Schreckensnachricht, dass zukünftig die Mindestschülerzahlen für eine Hauptschule in Kleinostheim voraussichtlich nicht erreicht werden. Offensichtlich wurden in ganz Bayern neue Zahlen hinsichtlich der Übertrittsquoten bekannt und dann die bisherigen Prognosen korrigiert.
Damit konnte niemand in Kleinostheim rechnen, weder in der Verwaltung, noch in der Schule, noch bei den Gemeinderäten. Denn die Regierung von Unterfranken hätte niemals eine Genehmigung für den Bau einer Hauptschule, Fertigstellung 2009, erteilt, wenn auch nur annähernd zu vermuten gewesen wäre, dass 2009 gar keine Hauptschule mehr existieren würde.
Und Sie können sicher sein, dass auch die Gemeinderäte der Freien Wähler niemals einem Neubau zugestimmt hätten, wenn der Wegfall der Hauptschule bekannt oder auch nur zu ahnen gewesen wäre.
Jetzt gilt es, aus dieser Situation die bestmögliche Lösung zu finden, die die Interessen aller Beteiligten, also auch die von Ihnen als Steuerzahler, berücksichtigt. Über die Entscheidung des Gemeinderates und die Auswirkungen auf Kleinostheim werden wir Sie natürlich informieren.